Wind und Wetterfahnen in der Gemeinde Langenenslingen
Wind- oder Wetterfahnen zeigen an woher der Wind weht und lassen dann daraus schließen, wie das Wetter wird.
Deshalb wurden diese Fahnen auf den höchsten Bauwerken – Kirch- ,Stadttor- oder Schlosstürmen – angebracht, da dort die genaue Windrichtung angezeigt wird.
Geschichtliches:
a) Im ausgehenden Mittelalter gab es Windfahnen nur auf Burgtürmen (Söller) mit dem Wappen des Burgherrn, meist Stofffahnen.
b) Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Windfahnen auf Kirchtürme gesetzt. Auf evangelischen Kirchen waren es meist Fahnen in Form von Hähnen auf katholischen Kirchen Fahnen, vor allem im Barock, mit einer Erzählung, s. St. Mauritius und St. Katharina, Egelfingen. Diese Windanzeiger waren dann aus Metall, haltbarer als Stoff, da sie nicht ohne weiteres zugänglich waren.
c) Im 19. Jahrhundert verloren die Windfahnen ihre Bedeutung, da der Barometer genauere Wettervorhersagen ermöglichte (1643 – 1660), dazu kamen weltweite Wetteraufzeichnungen.
d) Nach Gründung des Deutschen Reichs erwuchs eine Nostalgiewelle (1872 – 1920), die auf Bürgerhäusern, öffentlichen Gebäuden und Fabrikbauten (s. Langenenslingen: Rathaus 1886, Bürgerhäuser 1905, 1931,..) zu Windfahnen führten. Sie sehen meist alle gleich aus, wie ein Banner mit der Jahreszahl der Anbringung.
Dabei kann man darauf hinweisen, dass bei Kirchtürmen keine Himmelsrichtungsangaben erforderlich waren, da fast alle Kirchen Ost-West ausgerichtet waren. Damit war klar woher der Wind weht. Bei den neueren Windfahnen musste deshalb unter der Fahne eine Windrose angebracht werden zur Windrichtungsbestimmung (s. Rathaus). Zur Klärung: Westwind bedeutet: der Wind weht aus West und bringt von dort das Wetter.
e) Sonst gibt es neuere Windfahnen, gekauft oder selbst gebastelt, auf Kaminen oder Gartenhäusern. Auch ein Kamin mit drehbarer Haube kann man entdecken. Diese Hauben zur Verbesserung des Kaminzugs waren früher häufiger. Sie sind aber mit den Kaminsanierungen verschwunden.
f) Die Windrichtung kann man auch über Windturbinen ersehen, die nun häufiger für erneuerbare elektrische Energieerzeugung aufgebaut werden. Sie sind wegen ihrer Höhe weithin sichtbar. Ein kleines Beispiel kann auf dem Sandhof besichtigt werden.
Es wurden Fotos von den Kirchtürmen, dem Schloss in Wilflingen und den Häusern mit Windfahnen angefertigt mit Zustimmung der Eigentümer. Die Kirchtürme sind aber meist zu hoch, um sich ein genaues Bild der Windfahnen zu machen. Deshalb sollen bessere Bilder mit einer Fotodrohne erreicht werden.
Schloss Wilflingen
Fotos: © zumblum · Zum Vergrößern anklicken
Weitere Kirchen
St. Katharina, Egelfingen
Friedhofskapelle St. Mauritius
St. Cyriakus, Andelfingen
Unsere Liebe Frau, Andelfingen
St. Pankratius, Emerfeld
St. Blasius, Friedingen
St. Johannes Nepomuk, Wilflingen
St. Nikolaus, Bilafingen
St. Anastasius, Ittenhausen
St. Jakobus, Dürrenwaldstetten
Weitere Häuser
Rathaus Langenenslingen (1886)
Rathaus Wilflingen
Zwiebelhaube Hauptstraße
Privathaus
Windturbine auf dem Sandhof, Langenenslingen
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Die Turmuhr von St. Mauritius
Liebe Freundinnen und Freunde des Alten,
im Turm von St. Mauritius ist ein großes Uhrwerk eingebaut, das wohl sehr alt ist und eine Eigenheit besitzt. Betrachtet man die beiden Zifferblätter – Ost und West – so erkennt man, dass der kürzere Zeiger vor dem längeren Zeiger liegt, s. Bild, von einer Drohne aufgenommen. Schaut man sich den Antrieb der Zeiger vom Inneren des Turms aus an, so erkennt man, dass die Innenwelle über die kleineren Zahnräder (Übersetzung 1:1) angetrieben wird und die Hohlwelle über das größere Zahnrad (Übersetzung 1:12).
Auf der Innenwelle sitzt der vordere Zeiger, der kleinere, und auf der Hohlwelle sitzt der hintere Zeiger, der längere. Das bedeutet: Der kleinere Zeiger zeigt die Minuten an, eine Umdrehung in der Stunde, der größere zeigt die Stunden an, eine Umdrehung in 12 Stunden. Dies ist genau umgekehrt zu unseren heutigen Uhren: Langer Zeiger für die Minuten, kürzerer für die Stunden. Dies könnte bedeuten, dass in früheren Zeiten, z. B. vor der Eisenbahnzeit, der Stundenstand ausreichend war und es auf die Minute nicht so ankam. Wie für so ein Uhrwerk das Zifferblatt wohl ausgesehen hat, lässt sich am Dachreiter auf dem Münster von Kloster Heiligkreuztal erkennen. Das Zifferblatt hat 2 Skalen, außen mit der 12 Stundenteilung für den großen Zeiger und innen mit einer Viertelstundenteilung (s. Bild).
Das Uhrwerk liegt 2 Etagen tiefer unter dem Glockenstuhl und ist von einem Dach gegen Feuchtigkeit und Schmutz von oben gesichert, s. Bild. Der Antrieb der Uhrzeiger erfolgt über eine Welle nach oben und über Kreuzgelenke zu den Zahnradgetrieben der Zifferblätter, der aber heute nicht mehr gegeben ist. Das Pendel ist sehr lang, 4,15 m lang, und trägt eine große Gewichtsscheibe. Die Uhr ist schon lang nicht mehr betriebsbereit. Damit die Zeiger für beide Zifferblätter wenigstens den gleichen Stand zeigen, wurden die Anzeigen an beiden auf 4:00 Uhr eingestellt, großer Zeiger auf 4 kleiner auf 12 – sehr gewöhnungsbedürftig. In dieser Stellung wurden die Getriebe durch Spangen verklemmt, sodass der Wind draußen die Zeiger nicht mehr verstellen kann.
Wir haben hier wohl eine sehr alte Kirchturmuhr mit besonderen Eigenheiten bei uns. Dies sollten wir beachten!
Langenenslingen im August 2025
Helmut Gaggermeier
Burgen und Schlösser



























